Joseph Gär

Deutsch-Occidental Wörterbuch

1928 – Kosmoglott, Reval, Estland

Vorwort

Das vorliegende Wörterbuch ist nach Kürschners »Sechs-Sprachen-Lexikon« zusammengestellt und dürfte daher (trotz vieler Auslassungen) eine ausreichende Zahl der in der allgmeinen Umgangssprache gebrauchten Wörter enthalten. Es ist in den Monaten April–August 1925 geschrieben worden, also zu einer Zeit, in der das »Radikarium« noch nicht vollständig erschienen war. Wenn trotzdem beide Vokabularien im Occidental-Wortschatz meist genau übereinstimmen, so ist das nur eine Folge der tatsächlichen Internationalität des Occidental und zugleich ein Beweis dafür, wie leicht das Erlernen und Anwenden der Sprache jedem fallen muß, der über genügende Fremdwörterkenntnis verfügt.

Möge das Büchlein, das von Mängeln nicht freigeblieben ist, die Ausbreitung des Occidental erleichtern und allen Benutzern gute Dienste leisten!

München, den 25. Mai 1928.

Joseph Gär.


Bereits im Jahre 1925 erhielt ich von Herrn Joseph Gär das druckfertige mit der Schreibmaschine geschriebene Manuskript des vorliegenden Wörterbuches mit der Bitte, es durchzusehen, zu ergänzen und zu publizieren. Leider erlaubten meine pekuniären Verhältnisse mir letzteres durchaus nicht, und erst nach längerer Frist konnte ich mich daran machen, ganz allmählich Blatt für Blatt das Werk lieferungsweise herauszugeben. Durch diesen Umstand litt allerdings das äußere Aussehen, da das von der Nordischen Cellulose-Fabrik durch die Liebenswürdigkeit Herrn General-Direktors Fahle gratis gelieferte Papier zu verschiedenen Zeiten leider verschieden war, was aber nicht vorausgesehen werden konnte, da das Papier direkt an die Druckerei ging. Späterhin wurde das dann vermieden. Aber auch ein anderer Umstand war durch das langsame Erscheinen bedingt. Da sich die Sprache im Laufe der Zeit im Gebrauch vervollständigte, teilweise auch etwas veränderte, hat die Einheitlichkeit etwas gelitten, indem der erste Teil, was Vollständigkeit betrifft, leider etwas schwächer ausgefallen ist. Auch dadurch, dass mit der Zeit mehr Mitarbeiter sich der Durchsicht, Erweiterung und Vervollständigung des Wörterbuches widmeten, ist die zweite Hälfte etwas reichhaltiger geworden.

Bei der Art des Erscheinens war daher eine Einheitlichkeit nicht zu erzielen, und bitte ich das bei einer Ersterscheinung gütigst entschuldigen zu wollen. Auch sind leider noch eine größere Menge Druckfehler nachgeblieben, teilweise in der Druckerei nach der letzten Korrektur beim Einsetzen in die Maschine entstanden, die bei der Fremdheit der Sprache nicht mehr korrigiert werden konnten.

Meinen besonderen Dank spreche ich an dieser Stelle allen denjenigen aus, die durch finanzielle Beihilfe, Ratschläge, Lesen der Korrekturbogen etc. mir behilflich gewesen sind, das Werk so vollständig wie möglich zu gestalten. Vor allem gebührt hier mein Dank Herrn Joseph Gär, der die größte Arbeit geleistet zum Besten der grloßen Sache, der wir alle dienen, der Schaffung und Einführung einer Weltsprache; dann aber den Herren Probst A. Creux, A. Deminger, General-Direktor E. Fahle, L. de Guesnet, Apotheker A. Haldin, Ing. J. R. Hoerbiger, F. Houdek, J. Kajš, E. Moess, Bankdirektor G. A. Moore, M. den Outer, Prof. H. Pašma, Dr. A. Peipers, Ing. E. Pigal, mag. phil. A. Z. Ramstedt, J. Saarinen, Dr. K. Schüppel, H. Senigallia, Prof. K. Siegel, J. Weisbart, R. Zeidler u. a. m.

August 1928.

E. v. Wahl.


Verzeichnis der Abkürzungen

adj.
Adjektiv, Eigenschaftswort,
act.
aktiv, tätig,
adv.
Adverb, Umstandswort,
allg.
allgemein,
anat.
Anatomie,
arch(it).
Architektur, Baukunst,
bot.
Botanik, Pflanzenkunde,
chem.
Chemie
etw.
etwas
fam.
familiär,
fig.
figürlich, bildlich,
geogr.
Geographie,
geol.
Geologie,
gramm.
Grammatik, Sprachlehre,
intr.
intransitiv, ohne Ergänzung im 4. Fall,
jem.
jemand(em),
jur.
Jurisprudenz, Rechtswissenschaft,
m.
mit
mar(it).
maritim, Marine,
math.
Mathematik, Rechnen,
med(iz).
Medizin, Arznei-, Heil-kunde,
mil(it).
Militär,
min.
Mineralogie,
mus.
Musik,
p
Perfektstamm,
parl.
Parlament,
part.
Partizip, Mittelwort,
pass.
passiv, leidend,
perf.
Perfekt(stamm),
phys.
Physik,
pol.
Politik
pop.
populär, volkstümlich,
rel(ig).
Religion, -swesen,
syn.
Synonym, sinnverwandtes Wort,
tr.
transitiv, mit Ergänzung im 4. Fall,
typogr.
Typographie, Buchdruck,
u.
und,
u. a.
und auch, und andere(s),
usw.
und so weiter,
v.
von,
v/a.
Verbum activum, Zeitwort mit Ergänzung im 4. Fall,
v/intr.
Verbum intransitivum, Zeitwort ohne Ergänzung im 4. Fall,
z. B.
zum Beispiel,
zool.
Zoologie, Tierkunde,
zs.
zusammen.

Bemerkung: Die eingeklammerten Teile der Abkürzungen sind oft weggelassen.


Anleitung zum Gebrauch des Wörterbuches.

,
(Komma) trennt Ausdrücke mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung;
;
(Semikolon, Strichpunkt) trennt Ausdrücke mit verschiedneer Bedeutung;
-
(Strichlein) ersetzt das Stichwort oder die Occidentalübersetzung.

Jedes weitere Strichlein ersetzt ein Wortelement mehr. Z. B.:

Welt, -post, --karte, --verein = Welt, Welt-post, Welt-post-karte, Welt-post-verein;

Abenteuer Aventura, -er, -ero, -lich, -os, -n, -ar = Abenteuer aventura, Abenteuerer aventurero, abenteuerlich aventuros, abenteuern aventurar.

-
dient auch zur Wortzerlegung: a-scender (an-steigen), de-scender (ab-steigen), in-scender (ein-steigen), e-scender (aussteigen; con-traer (zusammen-ziehen), ex-traer (heraus-ziehen), abs-traer (ab-ziehen).
(Kursivdruck in runden Klammern):
  1. Erklärungen zum deutschen Ausdruck:
    • Stab (Stock) baston; (milit.) stab.
    • Bauer (Landmann) agricultor, rurano, paisano; (Käfig) cage.
    • Tor (das) porta; (der) stulto, stupido.
  2. Hilfen zum richtigen Gebrauch des Occidentalwortes: ersuchen pregar (alquem pri alquo), demandar (alquo de alqui).
[Kursivdruck zwischen eckigen Klammern]:

Wortbildungssilben, die mit der Übersetzung nichts zu tun haben.

Die folgende Schreibung:

form [-al, --ism, -at, --ion; re-, --at-ion, ---or] bedeutet:

Mit Benutzung der genannten Silben können vom Stammwort »form« folgende Wörter abgeleitet werden:

[form-al, form-al-ism, form-at, form-at-ion; re-form, re-form-at-ion, re-form-at-or].

defenDer [s], proviDer [s], convenIr [t], recurRer [s], tonDer [s].

Derartige Schreibungen bezeichnen keine Unregelmäßigkeit der Konjugation, sondern geben eine Hilfe für die Wortableitung mittels -or, -ori, -ion, -iv, -ur. Diese 5 Ableitungssilben treten nicht an den Verbalstamm, sondern an den nicht selten lautlich etwas verschiedenen Perfektstamm. Um diesen zu finden, hat man den kursiv und groß gedruckten Teil des betreffenden Zeitwortes durch den zwischen eckigen Klammern folgenden Teil zu ersetzen:

V. defend- provid- conveni- curr- tond-
P. defens- provis- convent- curs- tons
A. defens-or provis-ori convent-ion curs-iv tons-ur

V. = Verbalstamm, P. = Perfektstamm, A. = Ableitungen.

[p] oder [perf.] heißt »Perfektstamm«, der schon vorliegt in Wörtern wie: cult, curs, precis, absolut, devot usw.

analySe [-tic], syntheSe [-tic]:
Wissenschaftliche Wörter griechischen Ursprungs folgen den Occidentalregeln über Ableitung nicht immer. Die im Wörterbuch angewandte Schreibweise soll davor warnen, falsch abzuleiten.

Bemerkungen zur Occidental-Orthographie.

I.

Die in Fremdwörtern gebräuchliche Schreibung von th, ch, ph wird im Occidental gewöhnlich in t, c, f vereinfacht. Es ist aber gestattet, die überlieferte Rechtschreibung beizubehalten. Die im Beispiel I. einander entsprechenden Formen sind demnach gleichwertig.

II.

  1. apportar annexion attractiv acquisition oppresser supposition
  2. adportar adnexion adtractiv adquisition obpresser subposition
  3. a-portar a-nexion a-tractiv a-quisition o-presser su-position

Von Wörtern nach Art der vorstehenden ist eine dreifache Schreibung zulässig. Vorzuziehen sind aber die Formen unter 1) und 3); jene unter 2) sind zwar grammatisch einwandfrei, verursachen aber nicht selten Ausspracheschwierigkeiten, die in den Beispielen unter 1) durch Laut-Assimilation vermieden werden.


Kurze Occidental-Grammatik.

Alphabet: lateinisch.

Aussprache: wie im Deutschen, mit folgenen Ergänzungen: g vor e, i, y = weichem sch, wie in »Courage, Gelee«; j = dsch; s am Wortanfang hart = ß; in den Zusammensetzungen st und sp wird es stets wie ß gesprochen und niemals wie sch (star = ßtar); v = w; y als Konsonant (Mitlaut) = deutschem j, als Vokal (Selbstlaut) = deutschem ü; z = ds; zz = ts; sh = sch; ch = tsch; vor Konsonanten, in Verbindung mit y und in der Silbe arch wird es wie im deutschen »machen« ausgesprochen (yacht, psychologie, architect, monarchie); l’ = lj; n’ = nj; eu = ö (neutral, Europa, eucaristie, meuble (Möbel), meute (Meute); aber reunion = re-union, weil Zusammensetzung!).

Treffen zwei oder mehr Vokale zusammen, so wird jeder einzeln ausgesprochen:

Isaac, leer, cooperator, ciel (Himmel), aeronaut, pais, leibil.

Isa-ac, le-er, co-operator, ci-el, a-eroná-ut, pa-ís, le-íbil.

Betonung: auf dem Vokal vor dem letzten Konsonanten: motor, cursiv, mission, natur, national, sofa, glorie, Europa, Asia.

Die Mehrzahlendung s hat keinen Einfluß auf die Betonung: lampe — lampes, tasse — tasses, interesse — interesses, bombe — bombes.

Die Endsilben bil, ic, im, men, ul sind unbetont: stabil, mobil, electric, America, Africa, proxim (nahe), certmen (gewiß), nebul (Nebel).

In Ausnahmefällen wird ein Akzent geschrieben: muséo ( Museum), númere (Zahl), numeró (Nummer), café (Kaffee, Café).

Dingwort (Substantiv): Ein grammatisches Geschlecht wird nicht unterschieden.

li stul li banc li sofa li meubles
der Stuhl die Bank das Sofa die Möbel.

Das natürliche Geschlecht wird, wenn nötig, durch die Endungen o und a bezeichnet.

li filio der Sohn
li filia die Tochter
li filie das Kind
li cavallo der Hengst
li cavalla die Stute
li cavall das Pferd
li gállino der Hahn
li gállina die Henne
li gállin das Huhn.

Mehrzahlendung ist s:

Einzahl: lampe flamme cigarr helm uniform filio filia spíritu

Mehrzahl: lampes flammes cigarres helmes uniformes filios filias spíritus.

Eine Deklination gibt es nicht; sie wird durch Präpositinen (de = von, a(d) = an, zu, per = mit(tels), etc.) ersetzt.

Einzahl oder Singular Mehrzahl oder Plural
1. wer? li mann der Mann li mannes die Männer
2. wessen? del mann des Mannes del mannes der Männer
3. wem? al mann dem Manne al mannes den Männern
4. wen? li mann den Mann li mannes die Männer
Singular Plural
1. was? l interesse l interesses
2. wessen? del interesse del interesses
3. wem? al interesse al interesses
4. was? l interesse l interesses
Singular Plural
1. was? un album albums
2. wessen? de un album de albums
3. wem? a(d) un album a(d) albums
4. was? un album albums

Geschlechtswort (Artikel). Der bestimmte Artikel (= der, die, das; die) ist l oder li. Mit den Präpositionen de (von) und a (an, zu) fließt er zu del und al zusammen. Der unbestimmte Artikel un (= ein, eine, ein) fällt im Plural aus. Falls es nötig sein sollte, das Geschlecht besonders zu kennzeichnen, können an den Artikel l die Geschlechtsendungen -o, -a, -u (Abstraktes) sowie die Mehrzahlendung -s angehängt werden, z. B.: lo ai-ai das männliche Faultier, la ai-ai das weibliche Faultier, lu bon das Gute, lis ai-ai die Faultiere.

Das Adjektiv oder Eigenschaftswort ist gewöhnlich unveränderlich; es kann die Endung i erhalten: bon(i) gut, mal(i) schlecht, grand(i) groß. Falls notwendig und bei der Substantivation kann es die Geschlechtsendungen erhalten.

Komparation oder Steigerung:

bon gut
tam bon (quam) (eben)so gut (wie)
plu bon (quam) mehr gut (als) = besser (als)
max bon meist gut = best, am besten, d-- beste
minu bon (quam) minder gut (als) = weniger gut (als)
minst (minim) bon mindest gut = wenigst gut, am wenigsten gut

Pronomina oder Fürwörter. Bei den persönlichen und fragenden Fürwörtern wird ein Subjektkasus (Werfall) und ein Objektkasus (Wem-/Wen-Fall) unterschieden.

Persönliche Fürwörter:

Subj. yo, (mi) ich tu du il er illa sie it es
Obj. me mir, mich te dir, dich le ihm, ihn la ihr, sie it ihm, es
se sich
Subjekt: yo (mi) – Objekt: me
ich – mir/mich
tu – te
du – dir/dich
il – le
er – ihm/ihn
illa – la
sie – ihr/sie
it – it
es – ihm/es
se
sich
noi – nos
wir – uns
vu (vo) – vos
ihr, Sie – euch, Ihnen/Sie
il(l)i – les (ill-os, -as – los, las)
sie – ihnen/sie
unaltru
einander

Besitzanzeigende Fürwörter:

Volle Formen, die auch selbständig gebraucht werden können: der Meinige etc., mei mein; tui dein; sui sein, ihr; nostri unser; vestri euer, Ihr; lor ihr.

Kurze Formen, die nur appositiv mit Substantiven gebraucht werden: mi (mu) mein; tu dein; su sein, ihr; nor unser; vor euer, Ihr; lor ihr.

Hinweisende Fürwörter:

ti
der, jener
ti ci
der hier, dieser
ti ta
der dort, jener
to
das, jenes
to ci
das hier, dieses
to ta
das dort, jenes
tant
soviel
tal
solch (ein), ein-, solch--.

Fragende Fürwörter:

qui?
wer?
quel?
welcher?
quem?
wem? wen? welchem? welchen?
qual?
was für (ein)?
quo?
was?

Bezügliche Fürwörter:

qui
wer, welcher, der
quel
welcher, -e, -es, der, die, das
quem
welchem, welchen, dem, den
quo
was

Verneinende Fürwörter:

nequi
niemand
nequel, null
kein
nequem
niemand(-em, -en), kein-em, -en
nequal
keinerlei
nequo, necos
nichts

Verallgemeinernde Fürwörter:

chascun
jeder(mann)
omni(s)
alle; jeder
omnicos
alles

Unbestimmte Fürwörter:

on
man
un cert
ein gewisser
sam
derselbe, der nämliche
self
selbst
alqui
jemand
alcun
irgend ein
alqual
irgendwelch
alquo, alquicos
irgend etwas

Zahlwörter:

1. Grundzahlen. Die Einer der Grundzahlen lauten: 1 un, 2 du, 3 tri, 4 qua(d)r, 5 quin, 6 six, 7 set, 8 ot, 9 nin, 0 null

Die Zehner sind: 10 dec(i), 20 du(en)ti, 30 triti, 40 quarti, 50 quinti, 60 sixti, 70 setti, 80 otti, 90 ninti

100 cent, 1000 mil(l), 1 000 000 million, 1 000 000 000 milliard, billion etc.

Für die Zahlen von 11 bis 19 bestehen besondere Formen: 11 deciún oder úndeci, 12 decidú oder dúdeci, 13 decitrí oder trídeci, 14 deciquar oder quárdeci, 15 deciquin oder quíndeci, 16 decisix oder síxdeci, 17 deciset oder sétdeci, 18 deciot oder ótdeci, 19 decinin oder níndeci.

1965 (un) mil nin cent sixti-quin.

2. Ordnungszahlen werden mit der Endung -esim abgeleitet: quadrésim viert--, decésim zehnt--, centésim hundertst--. Die Akzente werden nicht geschrieben.

3. Bruchzahlen: Als solche werden die Ordnungszahlen gebraucht; doch bestehen folgende Nebenformen: ⅟₁ un tot, ½ un demí, ⅓ un ters, ¾ tri quart; regelm.: ⁴⁄₇ quar setesim(s)

Dezimalzahlen liest man folgenderweise: 0,365 null comma tri six quin; 18,02 deciot comma null du. Oder deciot e du centesim.

4. Substantivische Sammelzahlen: Endung -en: quadren: vier miteinander, ein Vierer; decen: Zehner; centen: das Hundert.

5. Unbestimmte Zahlwörter:

quelc
einige, etliche
pluri
mehrere
mani
manch(e)
omni
all(e)
mult(i)
viel(e)
poc
wenig(e)

Das Verbum oder Zeitwort: Nennform: -r; Gegenwart: der reine Stamm, den man erhält, wenn man von der im Wörterbuch gegebenen Nennform die Endung -r streicht: Mittelwort der Gegenwart: -nt; Mittelwort der Vergangenheit: -t; Vergangenheit: -t; alle übrigen Formen werden zusammengesetzt mit Hilfzeitwörtern (har für die aktive (tätige) Form, esser für die passive (leidende) Form) und mit Hilfswörtchen (va, vell, mey, ples). Alle Verben sind in Zahl und Person unveränderlich und vollkommen regelmäßig.

Konjugationsbeispiel:

Tatform (Aktivum)
yo ama : ich liebe
tu ama : du liebst
il ama : er liebt
noi ama : wir lieben
vu ama : ihr liebt
illi ama : sie lieben
amar : lieben
il amat : er liebte
il va amar : er wird lieben
il vell amar : er würde lieben
il mey amar : er möge lieben
il ha amat : er hat geliebt
il hat amat : er hatte geliebt
il va har amat : er wird geliebt haben
il vell har amat : er würde geliebt haben
il mey har amat : er möge geliebt haben
Leideform (Passivum)
yo es amat : ich »bin« (werde) geliebt
tu es amat : du »bist« (wirst) geliebt
il es amat : er »ist« (wird) geliebt
noi es amat : wir »sind« (werden) geliebt
vu es amat : ihr »seid« (werdet) geliebt
ili es amat : sie »sind« (werden) geliebt
esser amat : geliebt werden
il esset amat : er wurde geliebt
il va esser amat : er wird geliebt werden
il vell esser amat : er würde geliebt werden
il mey esser amat : er möge geliebt werden
il ha esset amat : er ist geliebt worden
il hat esset amat : er war geliebt worden
il va har esset amat : er wird geliebt worden sein
il vell har esset amat : er würde geliebt worden sein
il mey har esset amat : er möge geliebt worden sein

amant liebend (Adj.); amante liebend (Adv.), im Lieben, während des Liebens; amand zu lieben, zu liebend--; amat geliebt.

Man kann die Dauerform der Vergangenheit auch durch das Hilszeitwort fe ausdrücken: il fe amar — er »tat« lieben, liebte; oder il esset amant — er war liebend.

Das Adverb oder Umstandswort ist entweder dem Adjektiv gleich oder es erhält zur Unterscheidung die Endung -men, wenn es die Art und Weise oder den Grad bedeutet. bell: bell-men (schön), clar: clar-men (klar), lent: lent-men (langsam).

Von anderen Wortgattungen werden Adverbia mit anderer Bedeutung mittels der unbetonten Endung -li abgeleitet: nocte (Nacht): noctli (nachts); unésim (erste,r, s): unésimli (erstens), sud (Süden): sudli (südlich, südwärts). Die Steigerung ist wei bei den Adjektiven.

Tabelle einiger ursprünglicher Adverbien:
fragend hinweisend bezüglich unbestimmt verneinend allgemein
qualmen?
wie? auf welche Weise?
quam?
wie? (vergleichend)
talmen
so, derart, auf solche Weise
tam
so, ebenso
quam
wie, als
alquam
irgendwie, auf irgend eine Weise
per alcun maniere
nequam, nequalmen
keineswegs, durchaus nicht, auf keine Weise
in omni maniere
auf jederlei Weise
quant?
wieviel? wie sehr?
tant
soviel, so sehr
quant
wie(viel), wie (sehr)
alquant
in irgend einem Grade
nequant
gar nicht, nicht im geringsten
tut(men)
ganz, all
quande?
wann?
tande
dann, damals, in jener Zeit
quande
als, wann, wenn
alquande
irgendwann, jemals, je, einst, einmal
nequande
niemals, nie, nimmer
sempre
immer, stets, allezeit
ú?
wo?
ta; ci
dort; hier
ú
wo
alcú
irgendwo
necú
nirgends
partú
überall

Die Präpositionen oder Verhältniswörter regieren alle den Nominativ:

con li amico
mit »der« Freund
mit dem Freunde
per un martell
mittels »ein« Hammer
mittels eines Hammers
pos li fest
nach »das« Fest
nach dem Feste
con me
mit mir
che illa
bei ihr
por qui
für wen

Bei den Fürwörtern kann man entweder den Nominativ oder den Objekt-Kasus nehmen.

Satzlehre: Die Wortstellung ist im allgemeinen frei. Doch ist die Wortfolge: Subjekt-Prädikat-Objekt vorzuziehen. Die persönlcihen Fürwörter stehen dicht beim Verbum bezw. Hilfsverbum, vor oder hinter ihm. Die Verneinung und andere bestimmende Wörter stehen direkt vor dem Wort oder dem Satzteil, der verneint wird, bei den Verben vor den Hilfsverben. Verneinende Für- und Umstandswörter wie »niemand, kein, nichts, nie, nirgends« werden durch die Verneinung nur dann aufgehoben, wenn sie unmittelbar vor ihnen steht. Bei den unpersönlichen Verban kann das Pronomen it (es) wegbleiben, wenn der Sinn es erlaubt.

Das Wort »zu« vor dem Infinitiv wird gewöhnlich nicht übersetzt: mi pensa scrir — ich denke (zu) schreiben; il ama parlar — er liebt (zu) sprechen.

Der Konjunktiv wird wie im Englischen durch den Indikativ ersetzt. In wichtigen Fällen z. B. juridischen Dokumenten etc. kann der Konjunktiv durch Anhängen der Silbe -ye gebildet werden: il dit il haye amat — er sagte, er habe geliebt.